Jochen Mai hat in einer Forsa Umfrage die guten Vorsätze der Deutschen gefunden und verbloggt:
61 Prozent wollen Stress abbauen oder vermeiden.
59 Prozent wollen mehr Zeit mit der Familie/Freunden verbringen.
54 Prozent möchten sich mehr bewegen und mehr Sport treiben.
53 Prozent nehmen sich vor, mehr Zeit für sich selbst zu nehmen.
48 Prozent wollen sich gesünder ernähren.
37 Prozent wollen sparsamer leben.
35 Prozent versuchen abzunehmen.
21 Prozent wollen weniger fernsehen.
14 Prozent wollen weniger Alkohol trinken.
14 Prozent möchten das Rauchen aufgeben.
Interessant ist die Tatsache, dass es bei den ersten Punkten vorrangig darum geht, mehr Zeit für sich bzw. die Familie und weniger Stress zu haben. Das Aufgeben der Qualmerei und die Reduzierung von Alkohol rangieren am unteren Ende der Liste. Entweder gibt es wirklich kaum noch Leute, die sich das vornehmen, oder es mag keiner zugeben.
Meine eigenen guten Vorsätze für’s neue Jahr habe ich noch nicht definiert. Aber ein paar der ersten Punkte sind sicherlich mit dabei
Ein schönes Zitat von Tim Ferriss als guter Rat dafür, dass man die Dinge einfach mal anpacken sollte:
Conditions are never perfect. ‘Someday’ is a disease that will take your dreams to the grave with you. If it’s important to you and you want to do it ‘eventually’, just do it and correct course along the way.
Sehr schön der Satz in der Mitte: “Someday is a disease that will take your dreams to the grave with you.” Das Wort “someday” ist der Schlachtruf der Prokrastination!
Nach und nach lese ich mich durch das Buch von Sascha Lobo und Kathrin Passig und habe auf Seite 53 ein paar klasse Übungen gefunden, die auf das Thema “Prokrastination”, bzw. das Leben damit vorbereiten:
Zeitungen Seite für Seite ins Altpapier geben, um so zu erlernen, wie man eine größere Aufgabe in übersichtliche Einheiten zerlegt.
Auch mal ein Getränk zwei Jahre vor Ablaufdatum austrinken. Schon hat man eine Aufgabe lange vor der Deadline erledigt.
Einige Kabel wohlgeordnet in eine Tasche legen. Eine Stunde abwarten, die Tasche wieder öffnen. Den entstandenen Kabelsalat betrachten und dabei über die Sinnlosigkeit menschlichen Ordnungsstrebens meditieren.
Auf Bahngleisen sitzen oder liegen. Rechtzeitig aufstehen, bevor der Zug kommt. Diese Übung vermittelt ein Gefühl für das Tempo, in dem die Deadline herannaht, auch wenn vorher lange Zeit gar nichts passiert ist.
Den perfekten Mord planen, dann kurz vor der Ausführung darauf verzichten. Darüber nachdenken, dass Untätigkeit Leben retten kann.
Das NY Magazine hat einen für Internetstandards sehr langen Artikel über Malcolm Gladwell und dessen neues Buch “Outliers” veröffentlicht. Gladwell ist durch seine ersten Bücher (“Tipping Point” und “Blink“) als Author populärwissenschaftlicher Bücher berühmt geworden und wir daher vom NY Mag auch “Geek Pop Star” genannt.
In dem neuen Buch, das ich mir mit Sicherheit auch wieder kaufen werde, erklärt Gladwell anscheinend, was betstimmte Personen so efolgreich gemacht hat. Eine entscheidende Tatsache wird in dem Artikel vom NY Mag erwähnt: die erfolgreichen Leute hatten alle mindestens 10.000 Stunden Übung in dem, was sie machten. Das ist etwas mehr als ein komplettes Jahr, wenn man nichts sonst machen würde, nicht einmal schlafen.
Wenn man jeden Tag 8 Stunden das übt und probt, was man gerne excellent können will, dann braucht man 3,5 Jahre – ohne Ferien, ohne Wochenende. Legt man ein durchschnittliches Arbeitsjahr zu Grunde (200 Arbeitstage), dann sind es immer noch über 6 Jahre. Ohne Ablenkung, immer nur fokussiert auf das eine – das Thema, die Tätigkeit, in der man Herausragend sein möchte.
In seinem Buch belegt Malcolm Gladwell diese These angeblich noch mit verschiedensten Beispielen von herausragenden Menschen, die genau das getan haben: 10.000 Stunden an den eigenen Talenten zu arbeiten.
Kein Wunder, dass es so wenig herausragende Talente gibt. Die meisten werden die Disziplin, die dazu nötig ist, niemals aufbringen. Weil ihre Lebenssituation es nicht ermöglicht, oder weil sie auf halber Strecke schlapp machen.
Thomas Edison sagt ja bereits: “Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration.”
Ich habe mir mittlerweile auch das Buch gekauft und werde hier hoffentlich in Kürze ein kurzes Review zum Buch veröffentlichen. Je nachdem, wie schlimm ich das Lesen und rezensieren prokrastiniere (gibt es das überhaupt als Verb?).
Wolff Horbach in einem h4 Interview mit Barbara Siehl über sein Buch “77 Wege zum Glück” (ca. 7 Minuten lang).
Pick the brain schreibt darüber, wie Meditation die Gesundheit fördert, in zwei Teilen: Teil 1 und Teil 2. Hilft angeblich insbesondere bei allen Stress-bezogenen Krankheiten (hätte man sich ja denken können)
Jonathan Mead schreibt bei Zen Habits als Gastautor darüber, wie man erreichen kann, dass sich Arbeit “effortless” anfühlt. Besonders schönes Zitat: “When you feel like working, work. When you don’t, don’t. Don’t over complicate things.” Na dann…
“Dumb Little Men” listet ein paar Anti-Prokrastination Tipps auf. Einiges kennt man schon, einen Tipp fand ich interessant: Die Dinge einfach mal umformulieren. Manchmal wird der mentale Block durch eine ungünstige Wortwahl hervorgerufen.
In seinem Artikel zieht Jan die immer ungeduldigere Art und Weise von Web2.0 Unternehmen, vorzeitig Releases als beta zu veröffentlichen als Vergleich für den Zustand unserer Gesellschaft heran:
Unser Privatleben: eine einzige Beta. Wir leben, um etwas zu erreichen. Geld ist wichtig, Ansehen, Besitz. Das, was wir haben, ist nie genug, ist nur Übergangsstadium hin zu dem Paradies, das wir uns erwarten. Wozu um die Gegenwart kümmern, wo doch in der Zukunft alles so wunderbar sein wird? Zu spät die Erkenntnis: Man kommt nie an. Es gibt immer ein nächstes Ziel.
Diesen Gedanken finde ich sehr interessant, denn Medien und Kommunikation haben schon immer das Gesellschaftsleben beeinflusst. Die Tatsache, dass medial aufgrund der neuen Webtechnologien nun fast alles beta ist (und wenn es uns nicht gefällt, dann ändern wir es eben schnell), fördert natürlich die Ungeduld und Schlamperei. Ist ja eh egal, ist ja beta.
Sind wir also zu beta verdammt? Oder gibt es Möglichkeiten, zurück zur wohlüberlegten Langsamkeit (oder besser, weil wie früher: Normalität) zurückzukehren?
“Slowing down” ist sicherlich einer der Wege, dem Handeln die Hektik zu nehmen. Schneller ist manchmal besser, aber eben nicht immer. Strategie und Fokus ist ein zweiter Weg, unüberlegte Schnellschüsse zu vermeiden.
Dieser Beitrag beinhaltet somit keinen konkreten Tipp – die beiden Punkte (Slowing down, Strategie) sind aber Themen, die ich in Zukunft vermehrt hier im Blog behandeln werde.